Pressemittelung Gorban
Ausstellung: 16. März–14. April 2012.
Vernissage: Donnerstag, 15. März 2012, 18:00–20:30 h
Die Erarta Galerie Zürich freut sich, Sie zur Einzelausstellung Pyotr Gorban, Meister und Humanist einladen zu können. Die speziell ausgewählten Werke von Pyotr Gorban (1923-1995) sind besonders repräsentativ für seinen Stil und den Schwerpunkt seines Schaffens, in dem der Mensch in all seinen Facetten eingebunden in der Realität des Lebens steht.
Es ist gar nicht so einfach, Gorban in der zeitgenössischen Kunst einzuordnen, weil er weder neue Maltechniken einführte noch Kunstgruppierungen formte, weil er sich weder der ideologischen Kunst der sowjetischen Staatsdoktrin unterordnen liess noch sich dieser widersetzte, indem er beispielsweise als Nonkonformist oder Untergrundmaler aktiv wurde, obwohl er diesen zugeordnet wird. Immerhin verdiente er sich als junger Künstler nach dem Studium der Kunstschule seinen Lebensunterhalt anfangs als Auftragsmaler. Die Porträtmalerei für die ‚Proletariatsführer der Welt' nach strikten Vorgaben des sowjetischen Ausstellungskomitees raubte ihm damals fast all seine Kreativität. Mit der persönlichen Aufarbeitung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, änderte er seinen Stil radikal. Von nun an und bis zu seinem Tod liess er sich von der Realität des menschlichen Lebens inspirieren.
Bald schon sollte sich seine Abwendung vom mythologisch-verherrlichenden russischen Realismus hin zur Darstellung des Lebens wie es ist, anfangs als für seine öffentliche Akzeptanz hinderlich erweisen. Seine Isolation kehrte sich jedoch zu seinen Gunsten und bald wurde er als inoffizielles Genie bekannt.
Sein Thema sind Menschen, nicht Idole. Die heroische Vergangenheit und die strahlend glänzende Zukunft wie sie in der sowjetischen Kunst dieser Zeit gehuldigt wurde, sind Gorban völlig fremd. Für ihn besteht das Glück im friedvollen Alltagsleben, unabhängig von Regime und Führungsstil. Dieses Leben ist deshalb so wertvoll, weil es nicht extravagante Versprechungen enthält, sondern weil dem Künstler die unscheinbare Schönheit der Gesichter unzähliger Menschen entgegenblickt.
Das Alltagsleben wird zu Gorban's zweiter Natur. Nichts wird idealisiert. Man entdeckt Glück, Liebe, aber auch Einsamkeit, Krankheit und Tod in seinen Darstellungen. Dieser Preis des Lebens wird so natürlich dargestellt, dass die Harmonie des Ganzen nie gestört wird. Die Darstellungen seiner Szenen könnten jederzeit und überall stattfinden. Seine Werke bringen echt humanistische und universale Werte zur Geltung. Sie entstehen aus der unmittelbaren Erfahrung des Erlebten mit enormen Ausdrucks- und Anziehungskraft.
Gorban sagte einmal: „Ich hatte die Eingebung, nicht nur einfach etwas zu malen, sondern mich symbolisch auszudrücken. Meine Kunst wird von dem getragen, was um uns herum ist. Ich male, was ich sehe und erlebe – oft oder meist male ich Menschen, insbesondere wenn ich die Schönheit in ihrem Angesicht sehe. ...Das Leben gab mir den Anstoss..". Seine Menschen schliessen Könige, Priester, Propheten, Reisende, Künstler und Huren ein. Der Alltag umfasst Ferien, Krieg, Zerstörung und den Tod.
Warum ist Pyotr Gorban heute so wichtig und welchen Platz nimmt er in der Kunstgeschichte ein? Sein Beispiel lehrt uns, dass in der Kunst nicht nur ständige künstlerische Weiterentwicklung, Wechsel von Stilrichtungen, Erneuerung der Ausdrucksmittel und andersartige Verwendung von Materialien von Bedeutung sind, sondern auch die Umsetzung von unmittelbaren Eindrücken. Nicht Innovationsschritte in der zeitgenössischen Kunst, nicht revolutionäre inoffizielle Kunst, sondern die Konkretisierung abstrakter Ideen des Humanismus charakterisieren diesen Künstler und seine Werke.
Die Werte des menschlichen Lebens, humanistisches Denken auf realer Ebene und eine expressive Darstellung dieser Themen zeichnen diesen Meister des realistischen Menschseins aus. Es gelingt ihm gleichzeitig, Realismus und Philosophie, Individualität und Sprachrohr der Menschheit zu sein.
Die in der Ausstellung gezeigten Bilder können zwei Gruppen zugeordnet werden: einmal den grossen Darstellungen der zeitlos sich wiederholenden menschlichen Tragödien – unabhängig von Ort und Zeit – und andererseits die Flashlights des Alltagslebens auf Märkten, bei Begegnungen, zu Anlässen, teils aus seiner Zeit im Nordkaukasus wo sich verschieden Kulturen und Religionen treffen.
Für Erarta ist es eine besondere Freude, dem interessierten Publikum diesen ausserordentlichen Künstler zeigen zu können, dessen eindrückliche Werke bereits ihren Platz in der Kunst gefunden haben.
Hinweis des Autors:
Pyotr Gorban wurde in Stavropol im Nordkaukasus zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer geboren, studierte und lehrte später in Krasnodar. Im Alter interpretierte er byblische Szenen.
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Arno Herrmann
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